Aspekte und Symbole des BIOS-Prinzips

BIOS ist das Prinzip des Lebens, der Natur, aber auch des Ursprungs, der Evolution, der Materie und des K√∂rperlichen. BIOS hat sehr viele Ber√ľhrungspunkte mit EROS, ist aber nicht deckungsgleich mit ihm. BIOS bezieht sich im Vergleich zum EROS st√§rker auf unseren Leib, auf unsere Vitalit√§t und Lebendigkeit, auf k√∂rpernahe Bed√ľrfnisse und Reaktionen, auf unsere nat√ľrlichen Instinkte, Triebe, Empfindungen und Affekte, w√§hrend der Eros mehr die Beziehungsdimension und unsere Sehnsucht nach Liebe, Harmonie, Freude und Sch√∂nheit betont.

Da sich C. G. Jung und zahlreiche seiner Sch√ľler um eine Differenzierung, Bewusstmachung und Integration vieler BIOS-Aspekte verdient gemacht haben, sei hier das Spektrum seiner unabsehbar vielf√§ltigen Formen und Symbole von C. G. Jung selbst zusammengefasst. In vielen klassischen Mythen wie auch in traditionellen Symbolsystemen wird der BIOS mit dem weiblichen Ur-Prinzip, dem Archetyp der Gro√üen G√∂ttin und der Gro√üen Mutter in Verbindung gebracht, was insofern nahe liegt, als wir Menschen den Ursprung unseres Lebens nat√ľrlicherweise mit dem Weiblichen und M√ľtterlichen verbinden.

C. G. Jung z√§hlt folgende typische Erscheinungsformen auf, in denen das BIOS-Prinzip auftritt oder auf die es projiziert wird. Lesen wir diese Aufz√§hlung langsam und lassen wir uns Zeit, uns diese vielen Aspekte emotional und mit eigenen Erinnerungen und Erfahrungen verbunden vor Augen zu f√ľhren: die pers√∂nliche Mutter und Gro√ümutter, die Stief- und Schwiegermutter, irgendeine Frau, zu der man in Beziehung steht, auch die Amme oder Kinderfrau, die Ahnfrau und die Wei√üe Frau, in h√∂herem, √ľbertragenem Sinne die G√∂ttin, speziell die Mutter Gottes, die Jungfrau, Sophia. In einem weiteren Sinne geh√∂ren dazu die Kirche, die Universit√§t, die Stadt, der Wald, das Meer und das stehende Gew√§sser, das Land, der Himmel, die Erde, die Materie, die Unterwelt und der Mond; im engeren Sinne als Geburts- oder Zeugungsst√§tte der Acker, der Garten, der Fels, die H√∂hle, der Baum, die Quelle, der tiefe Brunnen, das Taufbecken, die Blume als Gef√§√ü (Rose und Lotus); im engsten Sinne die Geb√§rmutter, wie √ľberhaupt jede Hohlform (zum Beispiel Schraubenmutter), der Backofen, der Kochtopf; als Tier die Kuh, der Hase und das hilfreiche Tier √ľberhaupt. Es erscheint auch im Zauberkreis des Mandala und als das Ziel der Erl√∂sungssehnsucht (Paradies, Reich Gottes, himmlisches Jerusalem).

An anderer Stelle z√§hlt Jung noch weitere Aspekte auf, so z. B.: die magische Autorit√§t des Weiblichen; die Weisheit und die geistige H√∂he jenseits des Verstandes, das G√ľtige, Hegende, Tragende, Wachstums-, Fruchtbarkeits- und Nahrungsspendende; die St√§tte der magischen Verwandlung, der Wiedergeburt; der hilfreiche Instinkt oder Impuls; das Geheime, Verborgene, das Finstere, der Abgrund, die Totenwelt, das Verschlingende, Verf√ľhrende und Vergiftende, das Angsterregende und Unentrinnbare. Die Gegens√§tzlichkeit der Eigenschaften bezeichnet er als die bergende und die schreckliche Mutter.[10]

An dieser Aufz√§hlung sei besonders hervorgehoben der Hinweis auf die "Weisheit und geistige H√∂he jenseits des Verstandes". Er wird uns auch sp√§ter noch als die Einsicht besch√§ftigen, dass sich der Geist in der Tiefe der Natur und durch sie manifestiert hat, lange bevor wir davon bewusste Kenntnis hatten. BIOS und LOGOS sind keine voneinander getrennte Gr√∂√üen, sondern nur unterschiedliche Ausdrucksformen des gleichen sch√∂pferischen Mysteriums. 

Der Mutter-Archetyp

Viele Menschen, die in einen Prozess der Selbsterfahrung eintreten, stehen in einem tiefen Konflikt mit BIOS unter dem Aspekt des M√ľtterlichen. Sie f√ľhlten sich in ihrer Kindheit nicht gut "bemuttert", nicht richtig geliebt, gesehen und gef√∂rdert. Oft haben sie das Gef√ľhl, Mutter und Vater seien nur etwas wie unpers√∂nliche "Pflichteltern" gewesen. Sie h√§tten vor allem f√ľr Sicherheit und Nahrung gesorgt, dar√ľber hinaus aber keine positive vertrauensvolle Beziehung zu ihnen hergestellt. Frauen beklagen sich h√§ufig dar√ľber, dass ihnen ihre Mutter kein hilfreiches Vorbild gewesen sei im Hinblick darauf, was es hei√üt, eine Frau zu sein, was weibliche Identit√§t, K√∂rperlichkeit und Sexualit√§t sein k√∂nnte. Diese Entt√§uschungen und die Vorw√ľrfe gegen√ľber Mutter und Vater sind h√§ufig gerechtfertigt. Von daher ist es oft hilfreich und notwendig, sich seiner Trauer und seines Schmerzes √ľber die fehlende gute M√ľtterlichkeit in der Kindheit hinzugeben. Aber nach einer bestimmten Zeit befriedigt eine solche Schuldzuschreibung nicht mehr recht. Auch unsere Eltern hatten Eltern, die ihnen keine gen√ľgend gute Mutter und kein gen√ľgend guter Vater waren, welche wiederum auch keine gen√ľgend guten Eltern hatten. Wer ist wirklich Schuld an unserem Elend? Ein solches Verharren in der Position des Kindes, das nicht gen√ľgend gute M√ľtterlichkeit bekommen hat, f√ľhrt irgendwann nicht mehr weiter - im Gegenteil: Es verfestigt unsere negativen Mutter- und Vaterkomplexe, illusion√§re Erwartungshaltungen, Verbitterungs- und Resignationsgef√ľhle und kann in die Sackgasse der Depression m√ľnden. Das Leben hat uns keine Versprechungen und Garantien auf ein gutes und sch√∂nes Leben gegeben, sondern hat uns in die Welt gesetzt und wir m√ľssen nun schauen, wie wir am besten damit zurecht kommen.

Wenn uns unsere pers√∂nliche Mutter nicht weiterhelfen kann, dann k√∂nnen wir uns darauf besinnen, dass wir die Gro√üe Mutter in uns selbst tragen. Hinter allen menschlichen M√ľttern steht n√§mlich die archetypische Gro√üe Mutter, das Universum, die Erde, das Leben, die Natur, unser K√∂rper und die sich darin offenbarende G√ľte und Weisheit. Und diese Gro√üe Mutter hat uns mit allem Nachdruck gewollt, sie hat sich durchgesetzt - vielleicht auch gegen den Wunsch unserer leiblichen Mutter - sie n√§hrte uns vom Augenblick der Empf√§ngnis an, tr√§gt und f√∂rdert uns bis zum heutigen Tage.

Eine Frau hatte nach einem Selbsterfahrungskurs zum Thema "M√ľtter und T√∂chter in Beziehung" einen Traum, der sie sehr bewegt hat. Sie berichtet: "F√ľr mich v√∂llig √ľberraschend tauchte in diesem Traum ein Motiv aus Mozarts Oper "Die Zauberfl√∂te" auf. Mit dieser Oper habe ich mich vor ca. 20 Jahren als Sch√ľlerin etwas besch√§ftigt, und vor ca. 15 Jahren habe ich sie in einer Auff√ľhrung erlebt. Seither hatte ich keinen Kontakt mehr mit diesem "Material" und mochte Mozart nicht. Der Traum: Ich erz√§hle einer Gruppe 13-j√§hriger M√§dchen von spannenden Erfahrungen w√§hrend der Zeit meiner Menarche: Ich war selbst 13 oder 14 Jahre alt und trat als S√§ngerin auf. Ich sang die Rolle der "K√∂nigin der Nacht" in Mozarts "Zauberfl√∂te", empfand die Koloraturen und die Energie der unglaublich hohen Sopranstimme lustvoll nach. In dieser Zeit, als ich mit der besonderen Energie dieser Rolle Frau wurde, verst√§rkten sich meine weiblichen K√∂rpermerkmale (sehr viel mehr, als sie es tats√§chlich taten)!

Sp√§ter berichte ich meiner Mutter von dem Gespr√§ch mit den M√§dchen und von der Erinnerung an meine eigene Menarche-Zeit. Sie ist gerade beim Kochen f√ľr G√§ste, steht unter Hochspannung und Zeitdruck. Zu meinem Erstaunen l√§sst sie sofort ihre Arbeit stehen und beginnt, sich mit meiner Geschichte auseinanderzusetzen. Sie tut dies, indem sie nach den Predigten des Pfarrers, der mich konfirmiert hat, sucht, die sie alle geordnet und aufbewahrt hat. Ich bin erstaunt √ľber das pl√∂tzliche und gro√üe Interesse, das meine Mutter an meiner Geschichte zeigt - in einer Form allerdings, die v√∂llig an der Bedeutung f√ľr mich vorbeigeht: Predigten als Entgegnung zur K√∂nigin der Nacht!"

Dieser Traum ist ein geradezu klassischer Beleg f√ľr die eben erw√§hnte Tatsache, dass hinter und unter unseren pers√∂nlichen Mutter-, Vater- oder Elternbeziehungen die archetypischen Gro√üen Eltern, hier die Gro√üe Mutter in Gestalt der "K√∂nigin der Nacht" wirksam sind. In obigem Traum scheint die reale Mutter die weibliche und sicher auch erotische Energie ihrer Tochter mit moralischen Gardinenpredigten unterdr√ľcken zu wollen, wie es so viele M√ľtter und V√§ter tun, wenn ihre T√∂chter in die Pubert√§t kommen. Aber im Unbewussten scheint eine m√§chtigere Kraft lebendig zu sein. Abschlie√üend sagt die Tr√§umerin: Die "K√∂nigin der Nacht" scheint eine besondere psychische Energie zu verk√∂rpern, die mir m√∂glicherweise fehlt." Die Energie, die ihr fehlt, ist die machtvolle UR-Energie des Lebendigen und der Traum ermutigt die Tr√§umerin, sich dieser Energie nach 15 Jahren wieder zu erinnern. Eine negative Mutter-Beziehung, die unseren Bezug zur eigenen sinnlichen wie geistigen Vitalit√§t hemmt, kann am besten dadurch √ľberwunden werden, dass man sich das ganze Potential der inneren Gro√üen Mutter bewusst macht und durch sich selber zum Ausdruck bringt. Anstatt sich von einer √§u√üeren Mutter machtvoll dominieren zu lassen, verwirklicht man in sich selbst die Macht der Gro√üen Mutter.

Ein weiteres Beispiel f√ľr die archetypische Dimension unserer Seele ist vision√§re Erfahrung einer 55 Jahre alten Frau, Mutter von zwei Kindern, die sich in einer klimakterischen Identit√§tskrise befand. In einem traum√§hnlichen Zustand sieht sie sich "nackt in einer H√∂hle liegen, mit heftigen Wehen ein Kind geb√§rend, meine eigenen Schreie und den Schrei des Kindes h√∂rend, dumpf an den W√§nden der H√∂hle nachhallend." Nach einer Weile erweitert sich die Perspektive etwas nach hinten: "Ich sehe mich im gleichen Augenblick aus dem Scho√ü meiner Mutter hervorkommen, unter Wehen, Schmerzen und Schreien. Dahinter liegend erkenne ich meine Gro√ümutter, die meine Mutter gebiert und schlie√ülich immer weiter zur√ľck alle m√∂glichen Vor- und Ur-M√ľtter in unendlicher Reihe. Schlie√ülich sehe ich das Meer und die Erde, die alle Lebewesen hervorbringen und am Ende den dunklen, leeren Weltraum, in den hinein sich die ganze Existenz gebiert, unter gigantischen Eruptionen und gewaltigen Kl√§ngen."

Erschreckt, zugleich aber auch zutiefst bewegt, erkannte diese Frau ihre Verbundenheit mit diesem Sch√∂pfungsprozess und mit diesen alles erf√ľllenden, alles zusammenfassenden Kl√§ngen, die noch lange in ihr schwangen. Sp√§ter hatte sie die Empfindung, dies sei der "Urschrei" gewesen oder die heilige Silbe OM (Aum), in denen sich nach Auffasssung der indischen Philosophie die ganze Sch√∂pfung verdichte und offenbare. In solchen Erfahrungen scheint uns das Leben selbst an die Tatsache erinnern zu wollen, dass wir und unser K√∂rper kosmische Wesen sind und dass wir teilhaben an der gleichen Energie, die auch das Universum, die Erde und die Natur hervorgebracht hat.  

Mutter Erde

Abb.: DIE ERDE IST SEINE AMME

Uns modernen Menschen scheint erst in den letzten 50 Jahren immer mehr zu d√§mmern, dass wir in jederlei Hinsicht Kinder des Universums und Kinder der Erde sind. Was mehr naturnahe und fr√ľhere matriarchale Kulturen schon immer ahnten oder wussten, indem sie Muttergottheiten als erd- und himmelumfassende Gottheiten verehrten, wurde in den patriarchalen Kulturen in unglaublichem Ausma√üe unterdr√ľckt und verdr√§ngt - mit verheerenden Folgen f√ľr die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschheit.

Im Buch Sirach aus dem Alten Testament finden wir noch letzte Hinweise auf die einstmalige Verehrung dieser G√∂ttinnen, hier in Gestalt der Himmlischen Sophia: 

Den Kreis des Himmels habe ich umschritten, ich allein,
Und in den Tiefen des Abgrunds bin ich gewandelt.
In den Fluten des Meeres und auf der ganzen Erde,
In jedem Volk und jeder Nation besaß ich Herrschaft.
Von der Urzeit her, im Anfang war ich erschaffen,
Und bis in Ewigkeit vergehe ich nicht.
Kommt her zu mir, die ihr mein begehrt,
Und an meinen Fr√ľchten s√§ttigt euch.

(Sirach, 24,5-6)

 

Im Mittelalter mit seiner √úberbetonung des LOGOS, des Himmels- und Geistraumes wurde die Erde und mit ihr alles Materielle, K√∂rperliche, Triebhafte und Sinnliche und damit ganz besonders die Sexualit√§t, zum Inbegriff des B√∂sen, Schlechten, Niedrigen und Verachtenswerten. So hei√üt es bei Papst Innozenz III in seinen Aussagen "√úber die Verachtung der Welt" √ľber den Menschen:

"Gebildet aus schmutzigstem Samen, empfangen im Kitzel des Fleisches, ern√§hrt vom Menstrualblut, von dem es hei√üt, es sei so abscheulich und schmutzig, dass, mit ihm in Ber√ľhrung gekommen, die Feldfr√ľchte nicht mehr keimen, die Baumg√§rten vertrocknen... und Hunde, wenn sie davon essen, tollw√ľtig werden."[11]

Die Verneinung und Verteuflung des BIOS, alles Erdhaften, K√∂rperlichen und Weltlichen - insbesondere projiziert auf die Frau - fand ihren grausamen H√∂hepunkt in der Inquisition und den Hexenprozessen. M√ľhselig und unendlich langsam scheint sich dann etwa seit der Renaissance eine allm√§hliche Bewusstseinsver√§nderung vollzogen zu haben. Der Jenseitigkeit des fernen Logos-Geist-Himmels-Prinzips wurde nach und nach die Diesseitigkeit der Natur gegen√ľbergestellt. Das Interesse der Menschen richtete sich immer mehr auf die Erkundung der Erde und ihrer Gesetzm√§√üigkeiten. Die Naturwissenschaften begannen ihren Triumphzug.

Die Einstellung des heutigen Menschen zur Erde zeigt aber trotz aller Ann√§herungen und Erkenntnisse noch eine tiefe Gespaltenheit zwischen dem LOGOS und dem BIOS. Einerseits hat der Mensch die Erde in einem vorher nicht gekannten Ausma√ü erkundet, sich "untertan" gemacht und ist dabei, die letzten Bausteine des Lebens zu entschl√ľsseln, andererseits besitzt er immer noch die Arroganz und √úberheblichkeit eines √ľberzogenen HEROS- und LOGOS-Bewusstseins, das ihn in der Illusion gefangen sein l√§sst, er habe mit der Erde eigentlich nicht wirklich etwas zu tun, er sei von ihr losgel√∂st und sie sei sein Objekt, mit der er tun k√∂nne, was er wolle.

Der Leib: Die Inkarnation des Universums

So unbewusst und verantwortungslos, wie wir mit der Erde umgehen, so gehen wir auch mit unserem Leben und dem Lebenstr√§ger, unserem Leib um. Obwohl "Fitness" und "Wellness" als durchaus positiv zu wertende Bewegungen einen immer breiteren Raum in den Medien und in der √Ėffentlichkeit einnehmen, und man von daher die Hoffnung haben k√∂nnte, dies signalisiere eine positive Einstellungs√§nderung zum K√∂rper, so scheint doch die Beziehung zu ihm noch eher oberfl√§chlich und lieblos. Oft geht es nicht prim√§r um Pflege und Gesunderhaltung des K√∂rpers aus Dankbarkeit und Wertsch√§tzung, es geht nicht um Freude am K√∂rperlichen und Sinnlichen, sondern es geht meist um die Anpassung an von au√üen kommende Modeerscheinungen und zweifelhafte Idealvorstellungen. Aufgrund eines basalen Gef√ľhls der Unsicherheit √ľber uns selbst, messen wir uns an √ľberh√∂hten Idealvorstellungen und stehen dadurch in einem st√§ndigen belastenden Konflikt mit dem, wie wir wirklich sind.

F√ľr viele Frauen ist das alte M√§rchen von Schneewittchen immer noch von h√∂chster, leidvoller Realit√§t: Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Sch√∂nste im ganzen Land? Frauen stehen ihrem K√∂rper oft sehr konflikthaft gegen√ľber, viele lehnen ihn ab, finden ihn absto√üend, hassen ihn gar. Sie nehmen ihn nur noch verzerrt wahr. Egal wie er ist, er ist falsch, er ist nicht wohlproportioniert genug, zu alt, zu fett, zu faltig, zu untrainiert. Sie k√∂nnen ihn nicht lieben und achten und gut f√ľr ihn sorgen. Er ist ihnen eher eine Last, ein st√§ndiges Objekt der Scham, des Versagens und des Ungen√ľgens. Immer wieder neu versuchen sie ihn durch Di√§ten und Gymnastik auf das Idealma√ü zu bekommen und versagen doch immer wieder. Der Blick in den Spiegel erzeugt daher bei den meisten Menschen keineswegs Gef√ľhle freudigen Erkennens, sondern Irritation, Selbstkritik und Abwertung.

Auch viele M√§nner sehen in ihrem K√∂rper keinen sensiblen Organismus, der zutiefst gesch√§tzt, gew√ľrdigt und entsprechend gepflegt werden sollte, sondern eine Maschine, die auf H√∂chstleistung getrimmt und bis aufs Letzte ausgebeutet werden muss. K√∂rper und Seele sind keine wunderbar aufeinander abgestimmte Einheit, der K√∂rper ist von Gef√ľhlen und seelischen Vorg√§ngen abgeschnitten. Er ist ein Sklave, ein Tier, das man kommandieren und antreiben kann und das sich dem Streben nach Erfolg gnadenlos unterzuordnen hat. Kann und will er nicht, wie er soll, wird ihm der Krieg erkl√§rt.

Verst√§ndlich, dass eine solche feindliche Haltung unserem K√∂rper gegen√ľber Krankheiten, wie auch tiefe Identit√§tskonflikte hervorruft. Der Leib ist die nat√ľrliche Basis unserer Existenz. Wir sind unser Leib. Wenn wir ihn zu einer blo√üen Maschine degradieren oder zu einem Objekt unserer konflikthaften narzisstischen Selbstdarstellung machen, missbrauchen und zerst√∂ren wir eine der geheimnisvollsten und wundervollsten Sch√∂pfungen, die das Universum hervorgebracht und uns zum Geschenk gemacht hat. 

"Wie ist es m√∂glich, dass ein Wesen mit solchen feinen Juwelen wie den Augen, solch zauberhaften Musikinstrumenten wie den Ohren und einer so gro√üartigen Arabeske aus Nerven wie dem Gehirn sich selber als irgend etwas Geringeres als einen Gott erleben kann? Wenn man dann noch ber√ľcksichtigt, dass dieser unendlich subtile Organismus von den noch zauberhafteren Gebilden und Mustern seiner Umgebung, von den winzigsten elektrischen Ph√§nomenen bis hin zu all den Milchstra√üen, nicht zu trennen ist - wie soll man dann noch begreifen, dass diese Inkarnation alles Ewigen sich vom Sein ange√∂det f√ľhlen kann?"

Alan Watts[12] 

Die Missachtung der Erde und des Leibes

Wie konnte es aber √ľberhaupt jemals zu einer solchen Abwertung, Abspaltung und Entfremdung des Menschen von der Erde und seiner Leiblichkeit kommen? Daf√ľr sind verschiedene Ursachen vermutet worden, die gemeinsam haben, dass sie der Ausdruck einer tiefgreifenden Verdr√§ngung schmerzlicher Realit√§ten sind. Sie sind letztlich verzweifelte, untaugliche Versuche, sich der eigenen Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der √ľberw√§ltigenden Abh√§ngigkeit von der Materie, der Erde und dem K√∂rper nicht bewusst werden zu m√ľssen. Unser K√∂rper unterliegt einem dauernden Prozess der Ver√§nderung. Er ist empfindlich und verletzbar, oft schmerzt er, wird von Krankheiten befallen und vor allem: Er altert und ist sterblich. Dar√ľber hinaus haben viele k√∂rperliche Bed√ľrfnisse, wenn sie nicht erf√ľllt werden, einen drang- und leidvollen Charakter. K√∂rperliche Bed√ľrfnisse k√∂nnen so √ľberm√§chtig werden, dass sie uns entgegen allen guten Vors√§tzen und moralischen Idealen zu Verhaltensweisen zwingen, mit denen wir uns und anderen Menschen Schaden zuf√ľgen. Starke Triebe und Affekte k√∂nnen uns wie D√§monen √ľberfallen und uns das Leben zur H√∂lle machen. K√∂rperlichkeit kann also in vielerlei Hinsicht als Leiden, Last und als Gef√§ngnis empfunden werden und es ist von daher sehr verst√§ndlich, dass wir manchmal froh w√§ren, von dieser "Erdenschwere" und "Erdgebundenheit" befreit zu sein.

F√ľr diese Befreiung scheint sich uns insbesondere der geistige Raum des Logos anzubieten. In unseren Gedanken, Phantasien und Vorstellungen k√∂nnen wir Weite und Freiheit erleben. Gedanken und Phantasien "schmerzen" nicht, auch wenn sie uns nat√ľrlich belasten k√∂nnen. "Die Gedanken sind frei..." In unseren Gedanken und Phantasien k√∂nnen wir auch dann noch lebendig und kreativ sein, wenn der K√∂rper alt, gebrechlich und unfruchtbar geworden ist. Aus diesem Erleben heraus haben viele Menschen gehofft oder geschlossen, Seelisches und Geistiges sei vom K√∂rper unabh√§ngig. Es m√ľsse das Ziel der menschlichen Entwicklung sein, den K√∂rper in seinen Funktionen einzuschr√§nken oder gar abzut√∂ten, damit die Seele oder der Geist befreit sein und geistige Unsterblichkeit erreichen k√∂nnten. Solche Vorstellungen finden sich in vielen religi√∂sen Traditionen des Ostens und des Westens. Viele Jahrhunderte lang haben sich Menschen abgem√ľht, durch eine k√∂rperverachtende Haltung, durch Gei√üelung und masochistische Selbstverst√ľmmelung ihr Seelenheil zu finden. Ausl√§ufer dieser falsch verstandenen Vergeistigungstendenzen, bei denen sich das Geistige zum Herren √ľber den K√∂rper machen will, dem K√∂rper seinen Willen aufzwingen und ihn unterwerfen m√∂chte, finden sich heute noch in vielen Formen nicht nur des religi√∂sen, sondern des ganz normalen allt√§glichen Lebens, so zum Beispiel im Sch√∂nheits-, Attraktivit√§ts- und Fitnesskult und in ewigen Di√§ten, die dazu f√ľhren sollen, dass der K√∂rper von seinen Schlacken, Dunkelheiten und Unreinheiten gereinigt wird, damit er dauerhafte Gesundheit und Jugendlichkeit gew√§hrt.  

Das Tier in uns

Neben die dauernde Gef√§hrdung und Sterblichkeit des K√∂rpers tritt als weiterer Grund f√ľr seine Abwertung die evolution√§re Entwicklung. F√ľr uns heutige Menschen mag es vielleicht schwer nachzuvollziehen sein, warum diese Tatsache noch bis vor wenigen Jahren f√ľr sehr viele Menschen unannehmbar erschien und ihr Gef√ľhl der Besonderheit und Gott√§hnlichkeit so tief kr√§nkte. Aber in unserer immer noch fortdauernden Missachtung der Erde und des K√∂rperlichen scheint diese Kr√§nkung unvermindert stark fortzubestehen. Es f√§llt uns nach wie vor sehr schwer, uns als Tier zu empfinden, als Tier, das die Evolution zwar mit der Gabe des Bewusstseins beschenkt hat, welches sich aber dennoch in einer Jahrmillionen langen Entwicklungsreihe von Einzellern, Fischen, Amphibien, Reptilien, S√§ugetieren und Affen befindet. Es f√§llt uns schwer, Tiere als unsere Br√ľder und Schwestern, als gleichberechtigte Mitbewohner unseres Planeten, zu empfinden. Es f√§llt uns schwer, das Animalisch-Triebhafte unseres Wesens anzunehmen, dem wir, wenn wir genau hinschauen, auf Schritt und Tritt begegnen und dem wir den weitaus gr√∂√üten Teil unseres Tages widmen. Wie auch immer wir diese Tatsache vor uns verbergen und bem√§nteln wollen: Es ist offensichtlich, dass es uns allen, wie der ganzen Pflanzen- und Tierwelt, doch immer darum geht, unser Leben zu erhalten und unser √úberleben zu sichern. Es geht uns um Nahrungssuche, -aufnahme, -verdauung und -ausscheidung. Wir wollen neue Reviere erkunden, abstecken und behaupten, unseren Konkurrenten gegen√ľber unsere Machtpositionen vergr√∂√üern, Besitz sammeln und sichern, unsere Gene m√∂glichst zahlreich verbreiten, uns paaren, fortpflanzen und f√ľr den Nachwuchs sorgen. Wir wollen schlafen und uns erholen und schlie√ülich - wenn bei all dem Lebens- und √úberlebenskampf noch etwas Energie √ľbrigbleibt - die Umgebung neugierig, vielleicht auch spielerisch erkunden. Wir haben - bildhaft gesprochen - nicht nur einen rudiment√§ren Tierschwanz, sondern wir haben einen Jahrmillionen zur√ľckreichenden riesigen "Dinosaurierschwanz", der uns letztlich mit allen Tieren und allem Leben verbindet.

Unsere Träume zeigen unsere Verwandtschaft mit den Tieren sehr häufig.
Eine Frau tr√§umt: Ich bin zusammen mit einem Mann, dem ich mich nahe f√ľhle, auf einem Grundst√ľck mit Streuobstwiesen und sch√∂nen alten B√§umen. Wir schauen erfreut und belustigt einer Katze zu, die sich in der Krone eines besonders sch√∂nen Baums gem√ľtlich gemacht hat und sich dort r√§kelt. Das ist ein Lebensgef√ľhl!

Die Frau konnte diesen Traum gleich mit ihrem momentanen seelischen und k√∂rperlichen Zustand in Verbindung bringen. Sie sp√ľrte, die Katze war sie selbst, sie f√ľhlte sich gerade sehr stimmig und auf dem H√∂hepunkt ihres Lebensgef√ľhls (in der Krone des Lebensbaumes!).

Die heilsame Wirkung von Haustieren auf uns ist seit langem bekannt. Sie werden oft als die "besseren Menschen" empfunden. Sie sind zuverl√§ssig, treu, authentisch, best√§ndig in ihrer Zuwendung, sie sind selten gekr√§nkt und entt√§uscht, haben keine Schwierigkeiten mit K√∂rperkontakt und mit ihren k√∂rperlichen Bed√ľrfnissen und sind bereit, mit uns durch "dick und d√ľnn" zu gehen.

Wir sind Materie

√Ąhnlich schwer wie unsere Tiernatur zu akzeptieren, f√§llt uns die Tatsache anzunehmen, dass wir aus Materie bestehen. Wir wollen oft nicht wahrhaben, dass chemische, elektrische und physikalische Vorg√§nge unsere Existenz tiefgreifend bestimmen, dass nur wenige Mikrogramm chemischer Substanzen - etwa von Hormonen oder Transmitterstoffen im Gehirn - √ľber unser Gl√ľck oder Leid bestimmen k√∂nnen, √ľber Leben und Tod, Krankheit und Gesundheit, √ľber Sinn und Wahnsinn. Obwohl wir im Grunde gar nicht genau wissen, was diese wundersame Materie, aus der wir bestehen, genau ist, und wie es kommen kann, dass aus ihr die ganze Welt und alles Leben entstanden ist, tragen wir in uns fast un√ľberwindlich das uralte Vorurteil, dass es eben "nur" Materie sei und damit etwas Niedriges und Geringes. Unter anderer Perspektive k√∂nnte es allerdings etwas sehr Aufregendes und Gro√üartiges sein, wenn wir uns zugestehen k√∂nnten, dass wir buchst√§blich aus dem Staub der Erde und der Energie der Sterne gemacht sind, dass wir unseren Ursprung bis zum Anfang aller Zeiten zur√ľckverfolgen k√∂nnen und dass wir - auch wieder ganz real aufgefasst - eine Inkarnation (Fleischwerdung) des Universums und der Erde sind. Dazu aber wird es n√∂tig sein, dass wir die "Materie" (das Wort leitet sich ja schlie√ülich aus mater, Mutter ab) und die Erde aus ihrer Abwertung erl√∂sen und sie tats√§chlich als unseren Ursprung, als unsere Geburtsst√§tte, als unsere wahre Heimat erkennen und feiern. 

Die Macht des Unbewussten

Ein letzter hier dargestellter Grund f√ľr die Abwertung des Erdhaften und K√∂rperlichen ist die mit ihr aufs Engste verbundene Dimension des Unbewussten. Unserer heroischen Auffassung, "Herr im eigenen Haus" zu sein, alles machen und kontrollieren zu k√∂nnen, scheint es schwer ertr√§glich zu sein, dass sich weiteste Bereiche unserer Existenz unserem bewussten Wollen und Zugriff entziehen. Sigmund Freud sprach in diesem Zusammenhang von der dritten gro√üen Kr√§nkung, die die Menschheit erlitten h√§tte - neben der kopernikanischen Wende, der Einsicht also, dass die Erde und damit der Mensch nicht Mittelpunkt des Universums ist und der beschriebenen Tatsache der evolution√§ren Entwicklung. Und selbst er, einer der gro√üen Pioniere in der Erforschung des Unbewussten, scheint noch eine viel zu kleine Vorstellung von den Ausma√üen der unbewussten Dimensionen in uns gehabt zu haben. Abgesehen von einigen "archaischen Resten", die in uns schlummerten, hielt er es f√ľr prinzipiell m√∂glich, das Unbewusste bewusst zu machen, was nat√ľrlich nach heutigem Verst√§ndnis ganz und gar unm√∂glich ist.

Um sich eine ahnungsweise Vorstellung vom ganzen Ausma√ü des Unbewussten zu machen, kann man sich vor Augen f√ľhren, dass der ganze evolution√§re Prozess in seinen millionenfachen Lebensarten und -formen zum allergr√∂√üten Teil unbewusst verlaufen ist. Alle Pflanzen, Tiere bis hinauf zum heutigen Menschen mit seinem √ľberaus intelligenten Organismus und dem Wunderwerk Gehirn sind nicht das Ergebnis einer bewussten Planung, sondern einer unbewusst verlaufenen Entwicklung. Alle unsere k√∂rperlichen Vorg√§nge, unsere Sinne, unsere F√§higkeit, Gef√ľhle, Gedanken, Wahrnehmungen und Phantasien zu erleben, sind entstanden, ohne dass es etwas in uns gab, dass davon etwas "wusste". Erst mit der Entwicklung des Bewusstsein scheint sich die Evolution eine M√∂glichkeit geschaffen zu haben, sich selbst erkennen zu k√∂nnen. Ohne dieses bisher letzte und vielleicht gro√üartigste Wunder der Evolution in seiner Bedeutsamkeit schm√§lern zu wollen - wir werden es geb√ľhrend im LOGOS-Kapitel w√ľrdigen - m√ľssen wir uns klar machen, dass wir in jedem Augenblick unseres Lebens zum allergr√∂√üten Teil (vielleicht zu 90%, vielleicht zu 99% oder zu 99,99%) von unbewussten Abl√§ufen bestimmt werden, selbst da, wo sie uns bewusst werden. Auch unsere bewussten Gedanken, Gef√ľhle und Entscheidungen rufen wir n√§mlich nicht absichtlich gesteuert hervor, sondern sie entstehen in uns auf ihre eigene Weise. Unsere Person wird in ihrem Sein und Verhalten nicht durch das Ich-Bewusstsein bestimmt, sondern es ist umgekehrt. Das Unbewusste ist die eigentliche Person, unser eigentliches, aber unbekanntes Wesen. Wir werden auf dieses Thema noch einmal im Kapitel √ľber den MYSTOS-Faktor zur√ľck kommen.

Mit den neuesten Ergebnissen der Hirnforschung wie auch der Evolutionsbiologie und Evolutionspsychologie wird auch deutlich, dass der Geist nicht freischwebend vom Himmel herab kam und sich mit dem Körper auf geheimnisvolle Weise verband. Er ist vielmehr ein letztes Produkt jener Intelligenz, die in der Natur und im Körperlichen seit Jahrmillionen von Jahren wirkt und den evolutionären Prozess vorangetrieben hat. Der Geist war schon immer untrennbar mit dem Körperlichen verbunden. Ihm sind wir noch niemals unabhängig von etwas Körperlichem begegnet. Wir sind vergeistigte Materie oder materialisierte Geistigkeit. Der Geist kommt also nicht aus fernen Sphären "von oben", viel eher von innen und von unten, wenn man diese räumlichen Kategorien verwenden will. Damit wird aber eine vollständige Umwertung des "Unteren", des Unbewussten und des Körperlichen notwendig. Geist und Körper, Energie und Materie erscheinen heute als zwei Aspekte eines geheimnisvollen Mysteriums, wobei "die Seele das innerlich angeschaute Leben des Körpers und der Körper das äußerlich geoffenbarte Leben der Seele ist" (C. G. Jung).[13] Der Körper und die mit ihm verbundene Weisheit des Unbewussten enthält in sich das Wissen der gesamten Evolution, wenn auch nicht in einer bewusst zugänglichen, sondern eher in einer instinktiven, biologischen Weise, in der die Gene wirksam werden und der Körper arbeitet.

An einer Stelle beschreibt C. G. Jung das Wesen des Unbewussten so: "K√∂nnte man das Unbewusste personifizieren, so w√§re es ein kollektiver Mensch, jenseits der geschlechtlichen Besonderheit, jenseits von Jugend und Alter, von Geburt und Tod, und w√ľrde √ľber die ann√§hernd unsterbliche menschliche Erfahrung von ein bis zwei Millionen Jahren verf√ľgen. Dieser Mensch w√§re schlechthin erhaben √ľber den Wechsel der Zeiten. Gegenwart w√ľrde ihm ebensoviel bedeuten wie irgendein Jahr im hundertsten Jahrtausend vor Christi Geburt, er w√§re ein Tr√§umer s√§kularer Tr√§ume, und er w√§re ein unvergleichlicher Prognosensteller aufgrund seiner unermesslichen  Erfahrungen. Denn er h√§tte das Leben des Einzelnen, der Familien, der St√§mme und V√∂lker unz√§hlige Male erlebt und bes√§√üe den Rhythmus des Werdens, Bl√ľhens und Vergehens im lebendigsten inneren Gef√ľhle"[14]  

Macht und Magie des Mondes

ABB: Mondgöttin?

Die verborgene Weisheit und Dynamik des Unbewussten wurde in der Tradition oft auch durch den Mond symbolisiert. Während die Sonne das Tages-Bewusstsein und das Licht der rationalen Erkenntnis darstellte, wurde der Mond mit dem Nacht-Bewusstsein, dem Schöpferischen und dem Licht der intuitiven, mystischen Einsicht in Verbindung gebracht.

Zum Mond wie auch zur Dunkelheit und Nacht haben die Menschen seit jeher ein zwiesp√§ltiges Verh√§ltnis gehabt. Unsere positiven Erfahrungen mit dem Mond h√§ngen im wesentlichen damit zusammen, dass er als zunehmender Mond und als Vollmond mit seinem sanften Leuchten ein wenig Licht in die Dunkelheit der Nacht bringt. Die Dunkelheit war nicht nur f√ľr den fr√ľhen Menschen, sondern ist auch f√ľr uns heutige, oft etwas sehr Bedrohliches. Die Au√üenwelt wird un√ľberschaubar, wenn es dunkel wird, und die seelische Unterwelt des Unbewussten mit ihren "Geistern" und "D√§monen" beginnt eigent√ľmlich rege zu werden. Alle m√∂glichen √Ąngste, Bef√ľrchtungen, Konflikte, Phantasien und Tr√§ume werden lebendig. Je weniger Licht und kl√§rendes, unterscheidendes Wach-Bewusstsein da ist, desto weniger k√∂nnen wir unterscheiden, ob es Realit√§ten oder reine "Hirngespinste" sind, die uns da besch√§ftigen. Wir alle kennen aus unserer Kindheit den angstvollen Ruf nach Licht, wenn wir aus dem Schlaf erwachten und die Schw√§rze der Nacht oder die dunkle Tiefe des Raums uns zu verschlingen drohte. Wie tr√∂stlich konnte dann ein Lichtstrahl sein, der durch den T√ľrspalt, das Schl√ľsselloch oder das Fenster fiel.

√Ąhnlich beruhigend mag dem fr√ľhen Menschen der Mondschein gewesen sein. In seinem fahlen, k√ľhlen Licht konnte man sich wenigstens einen gewissen √úberblick √ľber die √§u√üeren und inneren Vorg√§nge verschaffen. Es vermittelte einem ein angstfreieres, vielleicht sogar meditatives Eintauchen in die Welt der psychischen Phantasien und Bilder, in die Vorg√§nge des Unbewussten mit seinen eigent√ľmlichen Symbolen, Stimmungen und Launen (das deutsche Wort Laune h√§ngt mit dem lateinischen Wort f√ľr den Mond "luna" zusammen), weil ein gewisses Ma√ü an Distanz und Orientierung aufrechterhalten werden konnte. Im Licht des Mondes wird uns ein teilweises Auf- und Hingeben des Ich-Bewusstseins an die Nachtseite und mystische Tiefendimension der Seele m√∂glich. Wir k√∂nnen besser nach innen gehen. Wir werden offen, ansprechbar, empf√§nglich f√ľr das, was dort keimt, w√§chst und geboren werden will. Dieses Eintauchen in die mondhaften "Wasser" des Unbewussten wird besonders auch von liebenden Menschen ersehnt - man denke an das romantische Symbolbild vom Rendezvous des verliebten Paares im Mondenschein -, weil es ihnen ihre tiefe Sehnsucht nach R√ľckkehr in die Einheit, nach Verschmelzung und Vereinigung stillt.

Dieser Sachverhalt und auch die schon fr√ľh beobachtete √úbereinstimmung des weiblichen Menstruations-Zyklus mit dem Mond-Zyklus lie√üen den Mond (oder eigentlich besser: die Mondin) zum Symbol der Gro√üen Mutter und der Gottheit des sch√∂pferischen Lebens, der Vegetation, des Wachsens, Werdens und Vergehens, der Fruchtbarkeit, der Fortpflanzung, der Schwangerschaft und Geburt, aber auch des Todes werden. Gerade die abnehmende und dunkle Schwarz-Mond-Phase, in der der Mensch von allem Licht verlassen und der Dunkelheit unbarmherzig ausgeliefert ist, wenn nicht wenigstens noch die g√ľtigen anderen Sterne am Himmel ein bisschen Hoffnung schenken, wurde ihm auch zu einer Zeit des Schreckens, des Wahns, des Sterbens und des Todes. Mitternacht, die dunkelste Zeit des Tages, war deshalb auch die Zeit der Geister, der schwarzen Magie, des b√∂sen Zaubers, der Hexen- und Teufelskulte.

Die Dunkelheit, die wir h√§ufig mit dem Nichts, der Ausl√∂schung, dem Tod verbinden, erscheint aber nur unserem Ich-Bewusstsein so gef√§hrlich. Das meiste n√§mlich an lebenswichtigen und lebensf√∂rderlichen Vorg√§ngen geschieht in der Dunkelheit des Unbewussten: Empf√§ngnis, Schwangerschaft wie auch alle anderen K√∂rpervorg√§nge verlaufen im Dunklen, selbst das Gehirn befindet sich im dunklen Kopf, in den nie ein Lichtstrahl hineinf√§llt und wenn, dann bedeutet es meist nichts Gutes. Der gr√∂√üte und wichtigste Teil unserer Existenz spielt sich also in gewisser Hinsicht im Dunklen ab und wir tun gut daran, unsere Einstellung zu dieser Tatsache neu zu √ľberdenken.

Im Vergleich zu einem mehr "solaren", sonnenhaften LOGOS-Bewusstsein, dessen F√§higkeit eher im Unterscheiden, Einordnen, Systematisieren, Abstrahieren und zielgerichteten Denken besteht, liegt das Sch√∂pferische des "lunaren", mondhaften BIOS-Bewusstseins mehr im st√§ndigen Besch√§ftigen und Umkreisen eines Themas, im Hin- und Herbewegen, im Warten-M√ľssen und Abwarten-K√∂nnen, bis die Zeit erf√ľllt ist, im Einwirken- und Aufgehen-Lassen. Die Erneuerung, Heilung oder Wandlung findet nach ihren eigenen Gesetzm√§√üigkeiten im Verborgenen, in der Dunkelheit und Stille oder im Schlaf statt und ist dann auf einmal da - oder nicht.  

Die Energie des Lebendigen

Die dauernd wechselnden Phasen des Mondes haben eine unmittelbare Entsprechung zu der Vorstellung im chinesischen Taoismus, dass das Universum wie das Leben auf der Erde ihren eigenen, unerkennbaren inneren Prozess und ihren eigenen Rhythmus haben und dass es die ges√ľndeste Einstellung ist, wenn man diesem "Lauf des Wassers", dem Str√∂men des TAO folgt. Entgegen allen Bef√ľrchtungen vieler Menschen, man w√ľrde dann in faules Nichts-Tun, ein blo√ües Dahintreiben, in eine Gleichg√ľltigkeit und Langeweile verfallen - eine Bef√ľrchtung, die auf Unverst√§ndnis und einem mangelnden Vertrauen auf ihre innere Selbstregulation beruht - kann das Leben viel √ľberraschender, lebendiger, kreativer und sinnerf√ľllter sein, wenn man es wagt, sich loszulassen und sich mehr seinen spontanen Impulsen anzuvertrauen. Das TAO und sein Flie√üen ist ja wie das Leben und die Natur auch: mal ruhig und tr√§ge, mal dynamisch und ekstatisch, mal leicht, mal anstrengend. Und eine der typischen Erscheinungsformen des Lebens ist ja die Bewegung. Wir f√ľhlen uns dann am besten, wenn wir aktiv sein k√∂nnen und eine befriedigende Aufgabe zu erf√ľllen haben. Und, da uns das unbewusste Leben ohnehin schon immer motiviert und steuert, werden wir auch weiterhin das tun, was uns wichtig ist, nur eben gelassener, befreiter und spontaner. Wir verlieren nichts, sondern gewinnen alles, n√§mlich urspr√ľngliche Lebendigkeit.

Wie sich das anf√ľhlen kann, zeigt folgender Traum eines 40-j√§hrigen Mannes: "Eine gro√üe, kr√§ftige, m√§nnliche Gestalt f√ľhrt mich an einen fremden Platz. Es ist ein "heiliger Ort", ich sp√ľre seine Energie in meinem K√∂rper vibrieren. Ich bewege mich im Kreis und f√ľhle mich von der Energie erf√ľllt und getragen. Es ist ein ekstatisches Gef√ľhl. Ich sp√ľre: diese Energie will mich heil machen. Ich habe das wunderbare Gef√ľhl vollkommen zu sein, nichts weiteres mehr zu brauchen. Alles, was ich brauche ist diese Lebenskraft, dieses Lebendigsein. Begl√ľckt wache ich auf." Ein solches Gef√ľhl k√∂nnen wir haben, wenn wir in unserem Leben am richtigen Platz stehen und die uns wirklich entsprechende Aufgabe erf√ľllen.

 

ABB.: Natur mit F√ľllhorn

 Der Kelch und das Wasser des Lebens

Die Sehnsucht nach einer vollen Erfahrung des Lebendigseins versinnbildlicht sich auch im verbreiteten M√§rchenmotiv vom Wasser des Lebens oder dem Symbol des "Heiligen Grals", jenem Kelch in dem sich der Sage nach das Blut Christi befindet. Das Gef√§√ü, die Schale, der Kelch und der Beh√§lter allgemein sind zentrale Symbole des BIOS. Sie symbolisieren das Umfassende, das Enthaltende und sind damit mikrokosmische Entsprechungen des Welt-Alls, des Makrokosmos, in dem sich die sch√∂pferische F√ľlle des Lebens latent befindet und aus der sie hervorkommt. Die k√∂rperliche Entsprechung dazu ist insbesondere der Bauch, die Scheide, die Geb√§rmutter (uterus). Das Blut ist reine Lebensessenz. Insofern es beim heiligen Gral der √úberlieferung nach von Christus stammt, ist es die g√∂ttliche Essenz schlechthin. Der Wein, der aus dem Kelch bei der Messe getrunken wird, repr√§sentiert zwar das Blut Christi, verbindet aber zugleich - wohl unbeabsichtigt - mit einer anderen Gottheit, die im Umfeld des BIOS auch wichtig ist: Dionysos, dem griechischen Gott des Weines, der Ekstase und der Leidenschaft. Lebendigkeit und Leidenschaft, BIOS und EROS geh√∂ren auf engste zusammen, wenn vielleicht auch nicht unbedingt im Christentum. 

Die Brust

Ein anderer "Beh√§lter" mit kostbarer, lebensspendender Essenz ist die weibliche Brust, mit der wir uns schon ein wenig im EROS-Kapitel besch√§ftigt haben. Ihre Milch ist Lebens-Nahrung im konkreten wie symbolischen Sinn. Wachstum, Heilung, Gesundheit und Sch√∂nheit, Weisheit und Macht wurden seit altersher mit ihr verbunden. Br√ľste schenken dar√ľber hinaus Innigkeit, Vertrautheit, Geborgenheit, W√§rme, Weichheit, Schutz, Trost. Sie √ľberwinden trennende Distanzen, sie erzeugen N√§he, Verbundenheit, Vereinigung, Verschmelzung, die Erfahrung der Einheitswirklichkeit.

Eine Frau, die eine l√§ngere Zeit in einem ambivalenten Verh√§ltnis zu ihrem sinnlichen K√∂rper und ihren Br√ľsten stand, tr√§umte: Ein unbekannter kleiner Junge will an meinen Br√ľsten saugen. Ich denke zuerst, das darf nicht sein, das f√ľhrt zu weit, es ist ja ein fremdes Kind! Dann denke ich aber: "Was soll der Geiz?" und entscheide mich, ihn saugen und trinken zu lassen. Ich bin gl√ľcklich dabei: Ich verschenke und f√ľhle mich beschenkt."
 

Abb.: Philosophen an den Br√ľsten der Sophia

Seither ist es f√ľr sie ermutigend und befreiend geworden, sich in Momenten, wo sie sich nicht recht traut, ihre F√ľlle zum Ausdruck zu bringen, zu sagen: "Was soll der Geiz?" Den Traum deutet sie so: "Es geht mir immer dann gut, wenn ich meine F√ľlle leben kann, mein √ľbersprudelndes Wesen, meine Spontanit√§t, meine Lebensfreude und Vitalit√§t, meine Sinnlichkeit und erotische Lust. Es geht mir schlecht, wenn es nicht flie√üt. Ich f√ľhle mich dann wie bei Frau Holle, wenn das Brot im Backofen herausgeholt werden will, weil es fertig ist, oder wenn der Apfelbaum voller √Ąpfel ist und gesch√ľttelt werden will. Es ist schrecklich, wenn ich die F√ľlle in mir sp√ľre und es mir nicht m√∂glich ist, sie zu leben." 

Die Schlange

ABB.: Schlangengöttin (Neumann), evtl. Kundalini-Schlange

Ein anderes Symbol der Energie des Lebendigen ist die Schlange. Die Schlange wird u.a. als ein Attribut der Gro√üen G√∂ttin aufgefasst. Als hochambivalente Energie und urspr√ľngliche Instinkt-Natur, die in der Erde lebt, von dort in unberechenbarer Weise hervorst√∂√üt und den Tod bringen kann, ist sie gleichzeitig auch, da sie periodisch ihre Haut erneuert, Auferstehung, Leben und Wandlung. Sie ist weiblich und m√§nnlich-phallisch, das Licht der Weisheit und die Finsternis zugleich. In der uranf√§nglichen Kreisschlange ist sie der ewig kreisende und sich durch die √Ąonen hindurch bewegende Lebensstrom des Werdens und Vergehens. Wie eng Leben und Tod, Vernichtung und Neugeburt im Bereich des BIOS zusammen geh√∂ren, zeigt die folgende mystischer Erfahrung einer Akademikerin, Mutter von drei Kindern, die sie mit LSD gemacht hatte, dem Zufallsfund eines modernen Alchemisten, des Chemikers Albert Hoffmann, der wir - trotz aller problematischen Aspekte dieser Substanz - viele wesentliche Einsichten in den Kosmos der Psyche verdanken[15]

"Dann fing ein komplexer Kreislauf des Lachens und der Tr√§nen an; das Lachen ging gew√∂hnlich mit einem √Ėffnen der Arme und Beine einher, das Weinen mit einem Zusammenziehen und Zumachen des K√∂rpers. Ich ging durch zahllose Menschheitsepochen in der Zeit zur√ľck, erlebte in meinem K√∂rper zahllose Geburts-, Todes- und Wiedergeburtskreisl√§ufe. Ich fand mich in verschiedenen Weltteilen wieder (vor allem Europa), eher mit einfachen Bauern und Handwerkern zusammen als mit K√∂nigen und Adligen. Ich wurde beerdigt und beerdigte andere, die mir lieb gewesen waren, bekam die Augenlider zugedr√ľckt und die Arme √ľber der Brust gekreuzt oder vollzog dieses Ritual an anderen. Der schmucklose Holzkasten wird in das Grab hinuntergelassen, die Erde wird dar√ľber geworfen, die Trauernden klagen. Dann bin ich eine Frau, die gebiert oder Geburtshilfe leistet. Da ist der Schrei des neugeborenen Kindes, das kreisf√∂rmige Schlie√üen der Mutterarme, um das Kind an die Brust zu ziehen. Geburtsschreie und Todesrasseln vermischen sich innerhalb eines Augenblicks. Mir wird bewusst, dass mein eigener Ort in dem rhythmischen Muster von Tod und Geburt nur ein bewegtes Nu ist - und das ist mehr als genug. Das Gef√ľhl der Einheit mit dem All, mit dem durch die Gesamtheit meines K√∂rper-Selbst erlebten Prozess von Geburt und Tod, √ľberschwemmt mich gnadenvoll. Es ist, als ob ich ein derart kostbares Geschenk erhalten h√§tte, dass ich nie wieder fragen m√ľsste: "Was ist der Sinn meines Lebens?" [16] 

Auch die Kundalini-Schlange im indischen Tantrismus repr√§sentiert die reine Lebensenergie. Dort stellt man sich vor, dass in jedem Menschen ein psychisches Potential schlummert, das zun√§chst in den Chakren (psychische Zentren) nur latent und unbewusst vorhanden ist. Im unerweckten Zustand symbolisiert sich diese Energie als Schlange, die zusammengerollt am unteren Ende der Wirbels√§ule, dem niedrigsten "Chakra" liegt. Durch bestimmte meditative √úbungen konzentriert sich der √úbende, von unten nach oben vorgehend, auf die einzelnen Chakren und vergegenw√§rtigt sie sich k√∂rperlich. Dadurch wird die "Schlangenkraft" geweckt und aktiviert. Ihre feurige Energie steigt auf. Sie belebt die Chakren und die damit verbundenen Pers√∂nlichkeitsbereiche und Komplexfelder und "brennt" in ihnen alle "Schlacken" und "Unreinheiten" weg, die einem vollst√§ndigen Funktionieren und einer v√∂lligen "Entfaltung" der "Bl√ľten" der Chakren oder dem "Rotieren der Energier√§der" der Chakren im Wege stehen. Die aufsteigende Schlangenenergie vereinigt sich schlie√ülich mit dem spirituellen Bewusstsein im obersten Chakra, wodurch es zur Erleuchtungserfahrung kommt.

Tiefenpsychologisch gesehen handelt es sich bei der Aktivierung der Kundalini-Schlange um die Aktivierung tiefster Schichten des Unbewussten und um die Auseinandersetzung mit zentralen archetypischen Komplex- und Konfliktfeldern: Muladhara, das unterste Chakra, repr√§sentiert die Erde und Materie, den BIOS. Hier liegt die Urenergie, die Lebenskraft, die Libido, hier sind die Grundbed√ľrfnisse des Lebens und √úberlebens angesiedelt (Selbsterhaltung, Sicherheit, Nahrung, Schlaf, Bewegung, Vitalit√§t, Energie etc.); es ist das Bewusstseinsniveau des unreflektierten, automatischen, animalischen allt√§glichen Lebens. Aus diesem Zustand gilt es nun, die Kundalini-Energieschlange zu wecken und zu h√∂herer Bewusstheit aufzusteigen. Das zweite Chakra, Svadhisthana, befindet sich auf der H√∂he der Genitalien und ist deshalb haupts√§chlich mit der Sexualit√§t und entsprechenden Triebregungen und Phantasien verbunden. Insofern im sexuellen Trieb auch tiefe Sehns√ľchte nach Vereinigung mit dem Gegengeschlechtlichen und dem Transpersonalen enthalten sind, beginnen sich hier schon sp√§tere Aspekte der Individuation anzudeuten, wenn auch noch auf einer ganz elementaren und triebhaften Ebene. (BIOS, EROS) Im dritten Chakra, Manipura, das der Bauchregion und dem Sonnengeflecht zugeordnet ist, sind elementare Selbsterhaltungsbed√ľrfnisse und Affekte lokalisiert (Haben, Besitzen, Macht, Agression) (BIOS, HEROS). Das vierte (Herz-) Chakra, Anahata, nimmt eine Mittelstellung zwischen oben und unten ein. Es steht f√ľr Einf√ľhlung, Mitgef√ľhl und Zuneigung (EROS). Das f√ľnfte (Kehlkopf-) Chakra, Visuddha, repr√§sentiert die Welt der Sprache, der Kommunikation und der Gedanken (LOGOS) und das sechste, Ajna, h√∂here psychische F√§higkeiten, Intuition und ver√§nderte, geistige Bewusstseinszust√§nde (Stirn, zwischen den Augenbrauen, das "dritte Auge"). (LOGOS, MYSTOS) Sahasrara, das siebte Chakra schlie√ülich, das im Gehirn oder auf dem Scheitel angesiedelt wird, ist mit h√∂chsten Erleuchtungszust√§nden und transzendenten Erfahrungen verbunden (MYSTOS). Im Aufsteigen verbindet die Kundalini-Schlange das Unterste mit dem Obersten und l√§sst die k√∂rperlich-geistige Ganzheit und Einheit des Menschen offenbar werden.